BRETAGNE 9.-24. August 2006
Endlich Ferien, Lernexil für Methoden der Produktentwicklung - Entwicklungsmethodik ohne lebensbedrohliche Schäden überstanden, Blutspuren der bedrohlichen Schäden beseitigt (Simon, wie geht´s deinem Kopf?), Lisas Rucksack gepackt und los geht´s in den ersten Urlaub der mit 8 Wochen komplett freier Zeit längsten Semesterferien meiner Studentengeschichte. Zusammen mit Esther. Gekauft hatten wir eine Fahrkarte nach St Malo, als grobes Ziel hatten wir die Bretagne und vielleicht noch die Schlösser an der Loire. Sonst hatten wir absolut nichts geplant und wollten sehen, wo es uns so hintreibt. Wie lange der Urlaub nun gehen sollte, wussten wir auch erst als wir schon längst unterwegs waren und das Ende nur noch 2 Tage entfernt... Alles in allem also absolut spontan und richtig schön planlos. Und richtig richtig gut wurd´s!!! :-) Und weil wir uns schon die Mühe machten, auch immer schön Tagebuch zu schreiben, wird das nun in gekürzter Version veröffentlicht....
St Malo, 9. August 06
Gestern nacht ging´s los, juhu! Nach Verabschiedung von Heike in der Kippe und letzten Vorbereitungen und Packen in Karlsruhe 00.54h Abfahrt nach Paris, Ankunft 6.50h, die Nacht war bequem, aber kurz. Ab durch die Mitte mit der U-Bahn zum Gare Montparnasse (macht nicht so viel Spaß mit Gepäck und völlig müde), mit TGV nach Rennes und von dor aus weiter nach St Malo. Erstes Ziel erreicht. Der Weg danach war allerdings beschwerlicher - vom Campingplatz zum Bahnhof zurück fahren wir definitiv mit dem Bus!
Der Campingplatz ist super (Camping Municipal Cité d´Alet), mitten in der Cité Alet mit Blick über die Bucht. Und das Zelt steht auch noch... - mit Resten des Death Valley Staubes. Geschlafen, geduscht, Wetter verflucht (Sonne???) und am Strand entlang in die Innenstadt zum 3h-Mittag-Abendessn kaufen. Das gab´s gemütlich auf einer Bank mitten im Stadttreiben (Stadtteil Cité). Die ist sehr idyllisch und so wie man sich die Bretagne vorstellt. Danach Stadtbummel (soooo schöne Läden!) und Spaziergang rüber nach Ville Close - die eigentliche Stadt St Malo. Das war mal eine Insel mit Festung, heute ist sie über 2 Dämme mit dem Festland verbunden. Unter der Festung am Strand. Jetzt auch mit Sonne. Wir sind im Urlaub angekommen! Abendessen gab´s hinterm 2.Weltkrieg-Denkmal neben bzw. hinter dem Campingplatz mit wunderschönem Blick auf die Ville Close, den Hafen, die Inseln, die vielen kleinen Boote und die Catamaran-Fähre nach England. Dank Reisefüherlektüre haben wir erste Pläne geschmiedet: morgen St Malo ausführlich, übermorgen Dinard und dann weiter Richtung Westen an der Küste entlang. Oder Rennes, je nach Zugverbindung. Jetzt gibt´s Cidre vorm Zelt. Erster Abend.
St Malo, 11. August 06
Gestern: morgens relativ früh raus. Die Nacht war windig, kalt und unruhig. Erste Nacht, willkommen im Zelt! Nach Frühstück geht´s nach St Malo, heute bei strahlendem Sonnenschein. Besichtigung des Joseph Roty II, ein Fischerboot - naja, eher eine hochmoderne Surimi-Fabrik auf See. Sehr interessante Führung, von der sie wohl auch ein bisschen Werbung erhofft haben. Aber bei einem 8-Stunde-arbeiten-4-Stunden-schlafen-8-Stunden-arbeiten-... usw.-Tagesrhytmus verzichtet man doch lieber... Das Surimi war aber lecker!;)
Danach Rundgang um St Mao auf der Stadtmauer. Dank Ebbe konnte man auch zu einer Festung laufen. Dann ab in die Stadt und durch die Gässchen. Wirklich wunderschön. Alles sehr bretonisch irgendwie. Nach Geschäftebummeln gab´s dann den ersten Galette und Crêpe mit Cidre aus der Bretagne in einer sehr süßen Crêperie.
Und weiter durch St Malos Gässchen. Ein "kurzer" Abstecher zum Office du Tourisme und zum Gare und zurück ins Ville Close an den Sandstrand mit Blick auf die Felsen im Meer. Und weil´s so schön ist, auch ein Strandspaziergang am/im Meer Richtung Nordosten zu den Kitesurfern. Zurück bemerken wir, dass der Weg auf die Bé Grand gerade dank der Ebbe passierbar ist, also nichts wie hin! Die Insel ist ganz nett, aber mehr auch nicht. Gelohnt hat sich´s trotzdem und beim zurücklaufen kommen auch schon die Strandwächter: "Das Meer steigt! zum Strand zurück!" Der Gezeitenunterschied liegt hier bei 8-13m!!! Einer der größten der Welt und unglaublich, wenn man die Naturgewalt nicht selbst gesehen hat.
Abendessen & Frühstück aus dem Supermarkt, danach ging´s zurück zum Campingplatz. Außer zum Zähne putzen haben wir uns nicht mehr von der Stelle bewegt und eingeschlafen sind wir so um 21.15h. Völlig fertig. Der neue Cidre war grauenhaft, aber Schraubverschluss ist einfach praktischer... :-)
Sonne(nbrand) im Gesicht!
Heute: Nacht 2 im Zelt: lang, einigermaßen bequem, gut geschlafen und warm. Juhu! :) Leider auch Regen... Morgens um 8.45h ging´s raus bei grauem Himmel. Um 10.20h hat die Vedette de St Malo abgelegt in Richtung Dinard. Und da haben wir das Wetter zu schätzen gelernt: Meerwasser im Gesicht und sehr lustiger Seegang. Schade, dass die Überfahrt nur 10 Minuten dauert! Von einer etwas sehr geschwätzigen Frau haben wir die neuesten Nachrichten (Terrorangriffvereitelung in London) und Klatsch&Tratsch (Huge Grant, sprich: Üg Gran, ist in Dinard!) erfahren.
Dinard ist absoluter Ferienbadeort und dementsprechend voll Touristen, vornehmlich Franzosen und ein paar Engländer. Direkt an der Küste entlang gibt es auf den Felsen einen Wanderspazierweg, den wir gegangen sind. Ziemlich gut. Dabei gehen immer mal wieder Privattreppen hoch zu abartigen Villen, die über den Spazierenden thronen.
Nach dem Rückweg Mittagessen auf einer Bank auf dem zentralen Platz. Spaziergang durch die Geschäftestraßen (ups, alles macht Mittagspause) und die "normalen Straßen". Weiter durch die Stadt, nachdem wir zum 3. Mal an der Boulangerie mit den leckeren Auslagen vorbeigekommen sind, gab´s dann auch letztendlich mini éclair und mini "schokoschichtbombentörtchen" (oder wie es auch immer heißen mag).
Die Rückfahrt mit der Fähre war genauso lustig wie die Hinfahrt, aber leider viel kürzer wegen Ebbe. Abendessen und lesen vorm Zelt und nach einem gravierenden Drama, das sich im Zelt gegenüber bei Vater-und-Sohn-Campingurlaub (der kleine Junge wurde geärgert und Papa a fait rien!) ereignet hat, ist jetzt Ruhe eingekehrt und wir lassen den Abend gemütlich ausklingen. Morgen geht´s nach Rennes, 7h aufstehen!
Rennes, 12.8.2006
Rennes: la plus belle ville jusqu´à maintenant!
Heute morgen um 7h wollten wir eigentlich direkt nach dem Aufstehen gewaltig Krach schlagen, um uns an unseren Nachbarn für den Abend davor zu rächen. Das haben aber genau im richtigen Moment ca. 15 Möwen bereits getan, die von den Müllbergen angezogen wurden... hihi :D Der Himmerl war noch immer gräulich und währen fast der gesamte Campingplatz noch schlief, ging´s per Fuß (grrr!) ab zum Bahnhof. Beim nächsten Rucksack-Wanderurlaub wird ein besserer Rucksack gekauft und vom Nötigsten nur das Allernötigste mitgenommen...
Am Bahnhof (endlich da!) gab´s Croissant und Unmengen Italiener und um 9.50h einen abfahrenden zug inklusive 2 Megarucksäcken und uns. Nebendran saß ein Kölner, der gerade von einer Strandmission in St Malo zurückfuhr und gar nicht mehr aufhören wollte zu erzählen. Lustiger Typ! Und ich schätze auf Pfarrer.
In Rennes ab mit dem Bus 3 zum Campingplatz, dem einzigen hier. Und wir fluchen, dass wir schon wieder schleppen müssen. Aber der Platz ist echt shcön in einem Waldpark gelegen und vor allem hat er St Malo eins voraus: Das Wetter ist super! Duschen und rein in die Stadt. Wunderschön! Viele kleine süße Läden (v.a. Schuhläden, die wir auch fast alle von innen gesehen haben! :) ), großzügige Gassen, wunderschöne alte Häuser, viele krumme schiefe Fachwerkhäuser, überall nette Cafés und Restaurants und man merkt, dass die Stadt voll jungen Lebens ist. Hier ist das Flair, das in St Malo und Dinard gefehlt hat. Mittagessen nach Stadtbummel gab´s beim Dönerfritzen, weil alle schönen Restaurants und Bars schon zu hatten. Weiter Geschäfte bummeln und Stadt anschauen, in Liegestühlen auf dem Place de la Mairie den Tag genossen, Chocolat chaud du XVIIème siècle et un avec armandes et pralinés im Le Haricot Rouge getrunken. Im Champion dann für die Verpflegung des restlichen Tages und für morgen (schließlich ist ja Sonntag und wir nimmer in den US) gesorgt. Nachdem wir dreimal den Tarte aux pommes probieren "mussten" ("Hast du was geschmeckt?" - "Nö, ich glaube, wir müssen nochmal probieren!" :)) haben wir auch so einen mitgenommen, den es zum Abendessen gab. Ja, einen ganzen! ups... Ansonsten ist es hier toll und ich finde, wir sollten mindestens 3 statt der geplanten 2 Nächte bleiben!
Mittlerweile ist es auch schon 10h, die Zeit heute ist verdammt schnell rumgegangen! Gute Nacht.
Rennes, 13.8.06
Sonntag. Also lange geschlafen, gemütlich gefrühstückt wie es sich für einen Sonntag so gehört. Um halb 1 haben wir uns dann auf den Weg in die Stadt gemacht zum Musée de Bretagne. Vorm Musée müssen wir warten, es macht erst um 14h auf. Gut, dass wir uns morgens nicht mehr beeilt haben!
Das Museum ist in einem modernen, richtig coolen Gebäude untergebracht und schön gemacht, unterteilt in alte (Steinzeit bis Ende Mittelalter) und moderne Geschichte der Bretagne, wobei mich die Steinzeit nicht so begeistert hat. Außerdem gabs eine Sonderausstellung zu bretonischen Comics, die war echt gut! Insgesamt haben wir da 2,5 Std verbracht, dann brauchten wir erstmal ne Cola… Die gab´s in einem kleinen Arabersupermarkt. Zurück in der Innenstadt machen wir uns auf Bäckersuche für Baguette als Löffelersatz und auf den Treppen eines geschlossenen Restaurants bei Livemusik aus einem Waschsalon wird Mittag gegessen.
Danach weiter Stadtbummel und die Chance der letzten Besichtigungsmöglichkeit des ehemaligen Palais du Parlement de Bretagne, heute Palais de Justice, genutzt. Sehr interessant und sehr pompös! Auch der Gerichtssaal ist abartig prunkvoll. Unten gibt´s ne Ausstellung von Bronzestatuen eines Künstlers, dessen Name ich vergessen habe, aber der sehr ausdrucksstarke Kunstwerke mit Namen wie La Vague, L´Amour, La Vie, … geschaffen hat.
Danach in ein Café für heiße Schokolade und un grand crème. Das Geschmackserlebnis hielt sich in Grenzen, aber Le Haricot Rouge hatte zu. Abends sind wir ins Kino in „La Tourneuse des Pages“. Typisch neue französische Schule oder wie man das nennt… Echt gut!
Rennes, 14.8.06
Plan: Tasche kaufen. Problem: fast alle Geschäfte sind zu. Aber es ist doch Montag?! Tja… 1.) Montag morgens haben viele Geschäfte sowieso zu. 2.) 15.8. = Mariä Himmelfahrt = Feiertag in Frankreich. Also ist der Plan frustrierenderweise gescheitert.
Erstmal zur Post, dann in St Anne. Romanisch dunkel, weil kleine bunte Fenster im Vergleich zur großen Kathedrale. Weiter durch die Stadt, dann auf dem Weg in St Saveur, eine richtig düstere Kirche, in der gerade eine Sonderbeichte abgelegt wurde. Und letztlich in St Pierre – superschön! Im neoklassizistischen Stil und alles sehr prunkvoll, aber gleichzeitig warm und einladend.
Zurück zum Campingplatz zum Plan austüfteln für das nächste Reiseziel. Der Wetterbericht im Figaro sieht nämlich nicht gut aus: wechselhaft und regnerisch für die nächsten Tage. Christopher weilt aber 35km NWW von Bordeaux, das ist doof zu erreichen für uns. Also bleiben wir beim geplanten Paimpol, was auch immer es da gibt. Zumindest mal an der Küste! Mal schaun, wies wird. Sudoku auf der Wiese, Rest Rosé ausgetrunken (ein Schluck Wein und ein Stück Wienerle im Wechsel, damit er endlich leer wird :D) und irgendwann ins Bett.
Paimpol, 15.8.
8h klingelt der Wecker, mein Schal hat nachts gute Dienste geleistet. Aufstehen und das ganze Chaos im Zelt wieder in 2 Rucksäcke stopfen. Die lassen sich viel leichter schleppen, wenn man lautstark (und falsch ;)) singt! Das Zelt war morgens vom Tau ziemlich feucht, aber dafür lag ein Tag voll strahlend blauem Sonnenschein vor uns. (Und Esther vergaß nie zu betonen, wie gut die Wettervorhersage doch ist….Regenwolken, mhmh) Die Reise nach Paimpol war etwas umständlich, aber schließlich liegt´s an der Küste. Erst eine Stunde TGV nach Guingamp, dann nochmal eine Stunde Uraltbummelzug mit gemütlichster Geschwindigkeit und dem typischen Geratter vorbei an superschöner ländlicher Idylle und zum Teil etwas sehr verfallenen Bahnhofshäusern. Im Zug wurden wir von einem älteren Ehepaar mitleidig gefragt, ob die Rucksäcke nicht zu schwer wären. Esther meinte nur: „Naja, die ersten 10 Minuten geht´s ganz gut...“
Die Wanderung zum Campingplatz war ohne Singen dann auch gleich viel anstrengender. Etwas mehr als 2km mit gefühlten 20kg (wir hätten echt wiegen sollen! 10 kg sind´s aber auf jeden Fall) werden dann mal schnell zu vielen tausend Schritten… „Das Wandern ist des Esthers/Lauras Frust, das Waaaaandern. Was muss das fü-ür eine Laura sein, der ständig fiel das Wandern ein, das Waaaandern“
Aber irgendwann sind auch wir angekommen. Der Zeltplatz ist ganz gut, wir haben eine Parzelle direkt am Picknickplatz (durch Hecken getrennt) und zum Strand sinds 100m. Nur leider gab´s grad kein Meer… also fiel das erste Schwimmen im Atlantik leider flach. Und ich dann auch – für einen Mittagsschlaf. An dem Tag war neben dem Campingplatz gerade Sportlerfest und neben unserem Zelt führte die Laufstrecke vorbei, sehr nett. Allerdings sind wir dann lieber erst am Meer (oder besser: da, wo das Meer wäre, wenn Flut gewesen wäre) entlang in die Stadt gelaufen, während an uns die ganzen Läufer zum Einlaufen für den 10km-Lauf vorbeiliefen. Esther: „Wusstest du das noch nicht? Laufen ist eine Passion! Die aber bei mir noch nicht angekommen ist…“
Paimpol ist ziemlich schön! Vor allem der Hafen mit fast nur Segelbooten ist toll! Und siehe da: man braucht nur ein paar Touristen und schon haben alle Geschäfte offen. Nach etwas längerem Suchen eines geeigneten Restaurants (für die Kulturbegeisterten sollten wir es vielleicht besser Stadtbesichtigung nennen) hatten wir dann endlich eines gefunden, nach ewigem Warten auf die Bedienung dann aber festgestellt, dass es die Salate erst ab 19h gibt… Na gut, dann gibt’s eben Essen aus dem Supermarkt. Vorspeise: Crème brulée Eis, Hauptspeise: Gurken- und gemischten Salat mit gemopsten Löffeln von einem Eisstand, Nachtisch: Praliné Pudding. Und Stühle gabs auch noch; die waren aufgestellt für ein Open-Air Konzert am Abend. Da haben wir dann endgültig festgestellt, dass es die bessere Entscheidung war nach Paimpol zu kommen und auf Bauchgefühle zu hören auch nicht das Schlechteste ist. Das Konzert war spitzenmäßig! Erst Calico aus Rennes (?), die sehr beschwingte wunderbar französische Musik machen und dann Les Maudits Matous aus Quebec mit sehr fröhlicher keltischer Musik. Der eine von ihnen hat gesungen, Gitarre gespielt und gleichzeitig mit Steppschuhen das Schlagzeug gegeben. Krass! Und dabei war das der am unsportlichsten Aussehende von allen.
Super Tag und Sonnenschein!
Paimpol, 16.8.06 1. richtiger Regentag
Aufgewacht: Es regnet. Umgedreht und weitergeschlafen. Immer noch Regen. Irgendwann dann doch aufgestanden; immer noch Regen. Heute ist der Tag, von dem Thorsten prophezeit hat, dass wir unsere Sachen packen werden und heimfahren. Aber da ist ein kleiner Denkfehler! Ein nasses Zelt können wir nicht einpacken…! ;) Und so haben wir uns Beschäftigung gesucht. Erste mittelmäßige Pause des Platschregens: Duschen. Danach haben wir Strandfeeling im Zelt geschaffen mit aufgemalter Strandkulisse. Natürlich haben wir auch all unsere Strandsachen und –utensilien aufgehängt. Wenn das Urlaubsfeeling nicht zu uns kommen will, holen wir es eben her. Außerdem hatten wir genug Zeit, um unsere Tagebücher auf Vordermann zu bringen, was einer kleinen Märchenstunde endete. Die erste Regenpause um viertel vor 2, die sich annäherungsweise so nennen darf, haben wir dann sofort genutzt, um zum Abbey de Beauport zu laufen. Das Abbey liegt fast direkt neben dem Zeltplatz und ist eine recht berühmte maritime Klosterruine. Pünktlich um 2h bei unserem Eintritt hat auch gleich eine sehr interessante Führung in schnellstem Französisch begonnen, der wir uns angeschlossen haben. Ich weiß nicht, was ich dazu schreiben soll, alte Klosterruinen haben einfach ihre Charme und diese ganz besonders mit ehemaligem Speisesaal mit super Blick übers Meer mit den vorgelagerten kleinen Felsen und Inseln. Besonders schön war auch der Klostergarten. Zudem gibt es eine Wohnstätte dort, deren Bewohner den Teil des Klosters als Ferienhaus nutzen. Allerdings gilt das Mietrecht nur bis 2010……;)
Der Hunger hat und am Meer entlang zurück zum Campingplatz getrieben zu Mittagessen auf der der Picknickbank. Kaum sind wir zurück am Zelt schüttet es erneut wie aus Kübeln. Na toll! Daraufhin beschließen wir bei den ersten Nieselerscheinungen nach Paimpol zu laufen, Eis zu essen und Frustsüßigkeiten für abends zu kaufen. Das tun wir dann auch. Verbunden mit einem Spaziergang durch die Stadt und Postkarten kaufen.
Während des Stadtbummels kam auch wieder die Sonne raus und jetzt ist fast strahlend blauer Himmel. Dies bescherte uns auf dem Heimweg einen wunderschönen Blick aufs Meer bei schönstem Abendgold. Ich hoffe, de Sonne mag uns morgen mehr und die Wolken lassen von ihrer Liebe zu uns ab.
Paimpol, 17.8.06
Nacht: keine weiteren Vorkommnisse.
Das Wetter ist immer noch nieselig, davon lassen wir uns aber heute nicht abhalten.
Mit dem Tibus No.9 geht’s um 10.45h zum L´Arcouest Pointe in Ploubazlanec, von wo aus die Fähre zur Île de Bréhat abfährt. Für ganze 12,50€ machen wir erst eine Rundfahrt um die Insel und steigen dort aus – Rückfahrt inklusive. Die Wellen schlagen doch ganz gut – nur gut, dass immer noch jemand vornedran steht und das Meerwasser ins Gesicht bekommt, so werden wir nur nass, aber nicht pitschnass ;). Die Île ist superschön! Sehr, sehr lohnenswert. Hoch zum Phare du Paon war unser erstes Ziel. Zwischenzeitlich noch Mittagessen an der Chapelle Saint-Michel, eine sehr einfach gehaltene Kapelle. Am Leuchtturm kann man die „vom Meer ausgehauenen (!) rosa Granitfelsen“ bewundern. („Un das bretonische Meer überall da.“*g*) …und viele nasse Menschen. Da hat uns nämlich Gewitter Nr.1 aufgelauert. Auf dem Rückweg haben wir uns Zeit gelassen und hier und da die Insel erkundet und am Strand gesessen. Es gibt Stellen, die schon fast paradiesisch aussehen. Autos sind übrigens nicht erlaubt, nur Traktoren und der Arzt kommt auf einem motorisierten Zweirad. Nachdem unsere Sachen wieder trocken waren, hat uns dann Gewitter Nr.2 überrascht. Naja, wofür hat man eine grüne tolle Northfacejacke?! ;) Die Fährfahrt war dank mal wieder Ebbe recht kurz. Dafür hatten wir den besten Platz ganz vorne am Bug an der Reling. Mit dem Bus gings zurück nach Paimpol rein. Dort war gerade ein Mittelaltermarkt, den wir unbedingt sehen wollten: Mittelalterliche Speisen und Getränke, Kostüme, Schmuck, Ledersachen, Feenbilder, ein Schauspiel und was sonst irgendwie mit dem Mittelalter zu tun hat gab´s am Hafen zu bewundern.
Pünktlich um 19h ab zum lang ersehnten Moules frites Essen im Formule Paket zusammen mit Schokoladencrêpe zum Nachtisch. Die Crêperie war sehr gemütlich wie in einem Steinhauswohnzimmer (oder so, wie man sich das vorstellt) mit großem Steinkamin. Auf dem Heimweg war natürlich mal wieder Ebbe, woraufhin Esther sich beschwerte, dass wir diese Bucht wohl nie mit Wasser sehen werden und wir uns fragten, was die Leute dort wohl mit ihren ständig auf Grund liegenden Segelbooten anfangen. Sehr, sehr guter Tag!
Nachtrag: Die Bucht haben wir tatsächlich nie unter Wasser gesehen…
Quimper (sprich Quimpäääääär), 18.8.06
Aufgestanden sind wir um 7h. Um kurz vor 8h war unser Platz leer und wir mit vollen Rucksäcken, aber noch leeren Mägen auf dem Weg zur Bushaltestelle, Rekordzeit! Dort gabs dann Frühstück: 1 Banane und ein halber Brioche vom Bäcker und Tag vorher. Beim Auschecken am Campingplatz gab es eine kleine Überraschung: Weil wir Studenten sind, wurde die Übernachtung um einiges günstiger als wir dachten. Super!
Mit dem Bus nach St. Brieuc (>1 Std), dann mit dem TER nach Brest, 45 Min. Aufenthalt (Brest ist damit auch abgehakt! ;)), dann mit einem minikurzen TER weiter nach Quimper, Ankunft 13:20h. Da wollen wir mit dem Bus No.1 zum Campingplatz fahren, finden aber die Bushaltestelle nicht und müssen letztendlich durch fast die ganze Innenstadt. So ein Sch…! Letztendlich finden wir doch eine Haltestelle und können die letzten 3 Stops kutschiert werden. Um halb 3 sind wir am Campingplatz, der Acceuil macht aber erst wieder um 3h auf, also warten wir. Und wir sind nicht die einzigen. Auch eine Amerikanerin, die in Frankreich gearbeitet hat (aber lieber auf Englisch einen Platz reserviert… *g*)und jetzt hier rumreist und ein paar Niederländer dürfen warten.
An Tagen, an denen wir von einem Ort zum nächsten reisen, scheint übrigens immer die Sonne und so ist es auch heute strahlend und richtig warm.
Einen Platz zum Zeltaufbauen bekommen wir im Wald und ausnahmsweise hat Esther mal recht mit ihrer Behauptung, das Zelt wäre zu groß. Es passt nämlich gerade so (oder gerade so nicht, je nachdem, wie mans nimmt) auf das „Grundstück“. Die bequemste Nacht wird das wohl nicht, aber so langsam sind wir ja an Isomatten gewöhnt und der Platz hat Stil. Weniger Stil haben die sanitären Anlagen hier… Die meisten Klos sind Turques, diese blöden französischen Löcher im Boden. Klopapier gibt´s gar nicht und die Duschen sind von 15-16.30h wegen Reinigung geschlossen. Das heißt wir müssen ungeduscht in die Stadt. So langsam fühle ich mich schon ein bisschen pennermäßig. Außerdem sollten wir so langsam mal waschen, aber dank Regen war das unmöglich. Naja, noch können wir uns in die Zivilisation trauen.
Abendmittagessen gabs nach Office du Tourisme Besuch auf Steinbänken davor. Danach war Stadtbummel angesagt mit Kathedralenbesichtigung (gotisch und schepp -haben die Osten verpasst, oder warum???- und dank weißen Säulen und vielen Fenstern sehr hell). Die Stadt ist echt schön, ziemlich verwinkelt und sehr gemütlich. Eigentlich passt das zu fast jeder Stadt dieser Reise soweit, aber doch hat jede ihren eigenen Charme.
Kurz vor Ladenschluss haben wir noch ein Stück bretonischen Apfelkuchen ergattert, dann zurück zum Campingplatz in den Wald. Leider hört man hier mehr Autos und Menschenstimmen als Waldesrauschen. Aber schlafen werde ich trotzdem – auch bei abschüssigem Boden :)
Quimper, 19.8.06
Dieser verdammte Regen! Die Nacht war auch nicht sonderlich toll, eher ein Aufwachen mit Schlafen, weil der in 2 Richtungen abschüssige Boden Isomatte und Schlafsack nicht gerade zum Liegen bleiben einlädt. Um halb 10 unter (außen) nassem Zelt aufgewacht, dann endlich geduscht. Das tat gut. Und sie war wider Erwartens auch noch warm. Bis zum Abtrocknen mit dem mittlerweile etwas muffigem Handtuch fühlt man sich doch glatt wieder frisch und sauber. Das Berliner-Marmorkuchen-Frühstück verschweigen wir besser, Le Gourmet dürfte er sich nämlich eigentlich nicht nennen… So, jetzt geht’s hoffentlich bald in die Stadt bei hoffentlich Sonne. Morgen müssen wir hier weg! Na ja, wenn wir raus finden, wie man am Geschicktesten hier weg und in die Nähe von Carnac kommt. Wieder für 2 Tage oder so. Danach Nantes, dann hoffentlich mit Christophers Bus heim. +++++++++++
Unsere Stoßgebete wurden erhört, die Sonne scheint! Seit dem Regen heute morgen den ganzen Tag schon und wunderschön! Strandwetter. In der Innenstadt gibt es dummerweise oder vielleicht auch glücklicherweise ein Crédit Lyonnais: Esther entdeckt, dass wir für die folgenden 8 Tage noch ca. 150€ pro Person haben. Inklusive Fahrten, Übernachtungen und Essen. Also beenden wir unseren Stadtbummel durch die bunten und etwas alternativen und künstlerisch angehauchten Geschäfte von Quimper und stellen im c.com Café bei Cappuccino und Sandwich (das letzte Essen vor der großen Sparmaßnahme) einen Masterplan auf:
1.) Reiseroute: höchstens noch 1 Stop vor Nantes, evt. auch keinen und dafür direkt nach Nantes dahin, wo Christopher uns dann abholen und mit nach hause nehmen kann.
2.) Christopher kontaktieren.
3.) Doch mindestens bis Montag in Quimper bleiben, der Campingplatz ist billig und bei so schönem Wetter wie jetzt ist es auch gut hier.
4.) Essengehen fällt flach, dafür noch mehr Supermarkt: Emmenthaler, Toastbrot, Joghurt natur mit Zucker vom c.com Café, Karotten und Bananen (= geringster Preis / kg) und Sardinendosen. Orangina ist ebenfalls gestrichen.
5.) Bei Zugfahrten kein TGV mehr.
6.) Möglichst viele Strandtage, geht aber nur bei entsprechendem Wetter.
Gut, dass wir in Paimpol die Moules frites noch mal genossen haben! :)
Im Supermarkt haben wir sofort Ernst mit obiger Liste gemacht, haben unsere Schätze zum Zelt gebracht und sind in Bademontur losgezogen, um das angeblich 15 Min. entfernte Meer zu finden. Wie´s dahin geht wussten wir auch nicht so recht, aber im Zweifelsfall immer den Kanal entlang. Eigentlich echt schön. Nach ca. 1 Stunde Sandalenwanderung erst am Kanal und dann durch Wald und Felder und einer Hundezucht vorbei, sind wir an eine richtig schöne Bucht angelangt, an der es nicht mehr weiter ging, die aber zum Verweilen einlud. Das Meer war´s zwar nicht und der Bikini kam auch nicht zum Einsatz, aber das Wasser war bestimmt ein bisschen salzig und Gezeiten gab´s auch. Also Mission geglückt :)
Zurück in Quimper lauschten wir einem kostenlosen Jazz Livekonzert auf Sand. Auch mit Mastersparplan lässt sich´s gut leben! ;)
Quimper, 20.8.06 STRANDTAG!
Jaha, richtig gelesen: STRAND! Mit Meer und Wellen und Sonne und weißem Sand und so! Heute Nacht und morgen hat es zwar noch ein wenig geregnet, aber wir sind trotzig in Bademontur Richtung Bahnhof zum Bus gelaufen. Das war allerdings erst gegen Mittag. Morgens haben wir gemütlich lange ausgeschlafen (es ist mal wieder Sonntag!) und gesparfrühstückt: Naturjoghurt und ungetoastetes Toastbrot mit Aprikosenmarmelade. Danach wurde gewaschen. Irgendwann brauchen wir mal wieder saubere Sachen!
Die Fahrt von Quimper nach Beg Meil Plage dauert so 30-45 Minuten. Und der Strand ist spitze!! So haben wir uns unseren Urlaub vorgestellt und endlich, endlich bekommen wir unsere Atlantikwellen und unseren Tag mit Nichtstun, in der Sonne liegen und Farbe zum zu Hause Vorweisen kriegen. Da war´s so schön, da müssen wir morgen noch mal hin! Und die Abreise von Quimper wird um einen weiteren Tag verschoben. Beg Meil haben wir uns auch noch kurz angeschaut; definitiv ein Badeort, aber nicht so krass tourimäßig wie Dinard. Und zu unserem Kouign Amann sind wir auch gekommen. Naja, schmeckt ganz gut, aber so besonders auch wieder nicht.
Unser Masterplan ist voll aufgegangen! Minimale Kosten bei maximal gutem Leben! :)
Achja: Käse mit an den Strand in die Sonne zu nehmen ist keine so gute Idee…
2. Strandtag Quimper, 21.8.06
Meistens ist die Nr.1 die bessere Wahl, so auch beim Strand und Strandtag, aber gut war´s trotzdem. Morgens die Panikmeldung per SMS: Christopher kann uns doch nicht mitnehmen, er hat die Autositze ausgebaut. Spontan wie wir sind tüfteln wir also einen neuen Plan aus und der steht jetzt unumstößlich bis zum Ende des Urlaubs, das erschreckend nahe gerückt ist. Nach Zugrecherche am Bahnhof und den Bemühungen eines Mannes am Schalter, den wir zur Verzweiflung gebracht haben, sind wir nun in Besitz zweier Tickets von Nantes zurück nach Karlsruhe für Donnerstag morgen 7:30h. Bleiben uns noch zwei Tage in Nantes. Auf dem Weg zum Bahnhof haben wir Mittagessen für 1,50€ pro Person (ja, wir habens wirklich ernst gemeint mit der Sparmaßnahme) besorgt. Das wurde am Place de la République auf den Steinstufen verspeist. Die scheinen mittags ein sehr beliebtes Plätzchen fürs Picknick zu sein. Eigentlich wollten wir noch mal nach Beg Meil, aber der Bus nach Bénodet hatte auch ein Plage hinter der Endhaltestelle und kam zuerst, so dass wir äußerst kurz entschlossen einfach in den eingestiegen sind. Der Strand war sehr lustig. Nicht ganz so schön wie der in Beg Meil und es war auch nicht ganz so warm, aber dafür hatten wir den perfekten Platz, um einer so richtig englischen Familie beim Sandpyramiden bauen zuzuschauen und die zwischenmenschlichen Konstellationen und deren Wandlungern dreier richtig französischer Kinder samt den Bemühungen der Eltern und Großeltern zu beobachten. Die reinste Komödie und sehr amüsant!
Retournées à Quimper hatten wir Liegois Eis und Salamitoast dîner und endlich die ersehnte Dusche. Danke, liebes Handtuch, dass du doch noch trocken geworden bist! Noch zweimal (ich hoffe auf 3x) abtrocknen und dann darfst du auch in die warme, kuschelige Waschmaschine! Und jetzt liege ich hier sauber und in purem Luxus (frisch gewaschene Sachen) auf meiner Matratze (klingt doch viel besser als IsoMATTE). Ich muss sagen, so langsam habe ich mich an meine Schlafstätte gewöhnt. Aber trotzdem freue ich mich auch wieder auf mein Bett.
Oh, der Wald hier hat uns ganz viele Nacktschneckenspuren auf dem Zelt beschert. Das sollte ich unbedingt bei den Jungs erwähnen, dann gehört es bestimmt mir, höhö :p
So, jetzt machen wir noch ein bisschen Hirntraining (=Sudoku), nachdem wir schon das Bauchtraining heute morgen hinter uns gebracht haben und dann wird geschlafen. Die 4.-letzte Nacht. Ohoh, so schnell kanns gehen….Schade eigentlich.
Achja: Rest-„Apfelsaft“ haben wir auch noch…
Nachtrag: Die 3.-letzte Nacht! Der Urlaub geht ja noch schneller um… Esther: „Aber weißt du, was das heißt?! Es wird günstiger!“ *gg*
Nantes, 22.8.06
Wir sind in Nantes angekommen. Terminus, Endstation. Und während ich im Zelt liege und Tagebuch schreibe, bin ich auch nicht länger dem Liegeabschuss freigegeben, sondern liege schön flach und eben und gemütlich auf Chich-Heikes Luftbett. Die 2.-letzte Nacht steht bevor und eigentlich sind es ja auch nur noch anderthalb. Schon komisch, aber irgendwie fühlt es sich angekommen an.
Heute morgen sind wir mal wieder voll bepackt mit tollen Sachen, die das Leben aber nicht unbedingt leichter machen, hinein in ein neues Abenteuer gezogen.
Oh, draußen trägt Esther gerade zur Völkerverständigung bei und die gesamte britische Mannschaft will ihr nicht glauben, dass wir zu Fuß und per Zug unterwegs sind. „Do you have a bicylce?“ „ Yes, at home…“ „You could ride your bike!“ jaja, die Kinderlogik. :) Aber ich glaube, Esthers Englisch ist etwas zu Amerikanisch für Ur-Briten.
Der Zug von Quimper fuhr höchst komfortabel ohne Umsteigen durch nach Nantes. Und was verbinden wir mit Zugfahrten? Richtig: Strahlenden Sonnenschein! Und was für schönen… Den haben wir natürlich sofort genutzt und die kurzen Röcke ausgepackt. Nach einer schnellen Dusche und Zelt aufbauen. Der Campingplatz hat sogar ganze 4 Sterne!
Nantes ist immerhin die 6. größte Stadt Frankreichs mit 550000 Einwohnern und das merkt man auch. Wir sind eben doch irgendwie Stadtkinder. Reich geworden ist Nantes mit Sklavenhandel und auch den früheren Reichtum sieht man. Die Häuser sind alle im Jugendstil und laden zum Einziehen ein. Auf dem einen Fluss durch Nantes, die Erdre, liegen so richtig coole Hausboote.
Als allererstes und bevor wir all das so richtig wahrgenommen haben, mussten wir unbedingt ein Grundbedürfnis stillen: Hunger! Und zwar riesengroßen! Mit Kost aus dem Lafayette Kaufhaus haben wir den auf dem Platz bei Commerce getilgt. Danach haben wir bei einem Streifzug durch die Stadt erste Eindrücke gesammelt. Die Kirche St Croix verheißt von außen mit blasenden Engeln auf dem Dach Großes, aber von innen hat sie uns dann nicht sonderlich gefallen. Viel beeindruckender ist die Cathédrale St Peter und Paul. Sie wurde im 14.Jh. angefangen zu bauen und erst im 18.Jh. fertig gestellt. Erstaunlicherweise sieht man aber keinen Stilbruch in der gotischen Bauweise. Von innen ist sie richtig, richtig beeindruckend. 37 m hoch und das Hauptschiff ist ganze 102 m lang. Die Verzierung ist relativ schlicht gehalten, aber alles aus hellem Stein und mit typisch gotischen Säulen gebaut. Wirklich sehr schön. Besonders beeindruckend ist auch das Grabmal von Francois II und seinen beiden Ehefrauen Margarethe de Bretagne und Margarethe de Fois. Alles aus Marmor mit unglaublich feinen und ausdrucksstarken Statuen gesäumt.
Ein weiterer Streifzug durch die Stadt mit Abendessen-, Frühstück- und Weineinkauf für Esthers Mutter und Geschäfte gucken und dann zurück zum Campingplatz. Da ganz, ganz hinten, wo die Zelte sich platzieren dürfen und wo der Boden so wunderbar flach ist. Hach, wie schön!
Im Zug von Paris nach Karlsruhe, 24.8.06
Mh, die letzten Stunden dieser Reise sind also schon angebrochen und so ganz glauben kann ich’s noch nicht. Schön wars! Eben ist noch was ziemlich Lustiges passiert. Wir haben eine non fumeur Reservierung im Raucherabteil bekommen, weil es in Frankreich im Zug sowieso verboten ist zu rauchen. Einer hat sich dann trotzdem eine Zigarette angezündet, woraufhin sich das gesamte Abteil lautstark bei ihm aufgeregt hat, dass das ein Nichtraucherzug ist und es überhaupt in der République verboten sei in Zügen zu rauchen. Die Franzosen find ich gut! Nichtraucherzüge, die auch noch so verteidigt werden, sollten wir auch mal einführen.
Jetzt aber zu gestern, dem letzten richtigen Urlaubstag. Die Nacht war trotz flacher Lage nicht ganz so toll. Der Grund: unsere nervigen Nachbarn. Ein etwas unter bemitteltes Pärchen, das sich ununterbrochen und lautstark entweder etwas zu sagen oder zu geben hatte. Dementsprechend spät sind wir dann aufgestanden und Esther, die tief und fest geschlafen hatte, war schon etwas unerfreut darüber, dass wir nicht loskommen. Ich habe mich auf meine ruhige warme Dusche gefreut. Aber zu früh! Zwei Duschen weiter duschen unsere Nachbarn – in der mit Code gesicherten Frauendusche wohlgemerkt. Damit war auch mein Tagesanfang etwas versaut und so haben wir uns beide etwas grummelig auf den Weg gemacht Nantes richtig zu besichtigen. Zuerst gings in einen überdachten Markt. Mmmh! Auf dem Weg zurück zur Bahn = Tan haben wir bei einem Boulanger artisan ein richtig gutes dick belegtes Putenbaguette geholt und an der Erdre verspeist. Spätestens da war die Stimmung wieder auf dem Hochpunkt und unser letzter Tag wurde so richtig cool. Wir haben lauter Sachen gemacht, die man nur mit Frauen macht und bei denen die Jungs spätestens am Abend eine Totalkrise bekommen hätten. Erstmal durch die total schön überdachte Galerie-Einkaufspassage und deren Geschäfte. Dann an die Loire gelaufen und mit der tan zurück in die Innenstadt. Dort sind wir in einem Kartengeschäft hängen geblieben und haben uns köstlich über die Karten amüsiert. Und weil wir ja noch ein Souvenir brauchten, konnten wir uns die Karten auch guten Gewissens gönnen :) Aber so langsam meldete sich auch wieder der Hunger und so sind wir mit Apfeltaschen und Cola Citron light zum Aufwachen in den Jardin des Plantes gewandert. Mittagspause in der Sonne und letzte Farbe tanken. Der Jardin ist superschön und lädt geradezu zum Verweilen ein.
Weiter gings zum Einkaufsbummel. Eigentlich ja zum Bierkaufen für Chich als Dankeschön für Lonely Planet und Isomatte. Beim dritten Anlauf hats dann auch geklappt. Dazwischen sind uns immer Dinge eingefallen, die wir unbedingt erledigen müssen so wie zur Bank gehen und Bargeld holen – den Rest zu Esthers Limit. Mein Bargeld beschränkt sich immer noch auf 71 cent im Geldbeutel. Oder uns ist ein tolles Geschäft ins Auge gefallen, in das wir unbedingt noch rein mussten. In einem der Läden haben wir mindestens eine Stunde damit zugebracht aus Glasperlen Ohrringe zusammenzustellen, unser eigentliches Souvenir und Erinnerungsstück an die Rucksack-schlepp-und-Spaß-Bretagne-Tour. Dann haben wirs auch endlich zu Chichs bretonischem Bier geschafft. Eigentlich wollten wir ja zum Abschluss noch einmal heiße Schokolade trinken oder Crêpe essen gehen. Beim weiteren Streifzug durch die Straßen hatten wir auch schon eine auserwählte Crêperie für die Ehre des letzten Abendmahls erkoren. Wenn da nicht diese Taschen gewesen wären… nachdem ich mich nämlich schon längs von dem Gedanken meiner neuen und dringend notwendigen Tasche verabschiedet hatte, sind wir über einen kleinen arabischen Laden gestolpert, der neben Räucherstäbchen und weiteren Dingen Ledertaschen verkauft. Und da waren sie: Die Taschen, die nur auf uns gewartet hatten. Form, Farbe, Größe und Preis perfekt. Und so wurde aus dem Galette-Crêpe-Essen eine Ledertasche und Baguette mit Käse auf der Bank am Commerce Platz. Wobei das Baguette nicht nur wegen unseres Glücks das beste das ganzen Urlaubs war. Zurück am Campingplatz gings nach letztem Sonnetanken ans große Aufräumen, Zusammenpacken und die letzten Vorkehrungen für die letzte Nacht und die große fahrt. Im superordentlichen Zelt (ich wusste gar nicht, dass wir auch so aufgeräumt sein können) haben wir gegen den prasselnden Regen angeschrieen, erfolgreich unsere streitenden Nachbarn übertönt und bis spät noch erzählt und gelacht.
Ja, und um 5h hat leider auch schon wieder der Wecker geklingelt und im Dunkeln unter dem Sternenhimmel wurde eingepackt…
Und jetzt ist absolutes Sauwetter und wir freuen uns, dass wir so schöne Sonne gestern hatten und wir genau am richtigen Tag unseren Urlaub zu Ende gebracht haben.
Résumé
Und was wir Tolles gelernt haben:
*Kauf dir einen gut gepolsterten Rucksack
*Wenn man Zug fährt, scheint die Sonne! Also bei Regen einfach weiter ziehen...
*Ein Auto ist schon was Praktisches...Aber ob auch gilt Autofahrt = Sonne??
*Cidre ist doch nur Apfelsaft... ;)
*Stelle dein Zelt niemals neben dem eines Pärchen auf. Zumindest neben keinem, dem meine Mama nicht eintrichtern konnte "Durch die Zeltwand hört man alles! ...und wehe, ihr lästert!" *g*
*Zum Reisen braucht man Geld ;)
*Auch mit Mastersparplänen kann man eine super Zeit haben!
*ungetoastetes Toastbrot hält viel länger als Baguette (wahrscheinlich, weils viel schlechter schmeckt)
*wenn man das Ende vom Urlaub nicht plant, fühlt man sich auch nie dem Ende nahe
Aber wir sind ja nicht zum Lernen losgezogen, sondern zum Land erkunden und Spaß haben! Esther, es war spitzenmäßig!! Merci bien :) Je suis contente que nous soyons là!!! (Die CD bekommst du noch)


2 Comments:
da fällt mir ein, was ihr aus der bretagne hättet mitbringen sollen:
1. artischocken! ganz viele!
2. bilder aus der anse de kernic! da seid ihr schon bei richtig hohen gezeitenkoeffizienten unterwegs und verpasst den landschaftlichen höhepunkt der nordküste...
3. eine original breizh-flagge
4. dunkelgrüne thalasso-dreads (bei ebbe ganz leicht zu erhaschen)
5. die kultigen mam-goz-tischörts
wieso gibts denn keine neuen einträge mehr auf deinem blog? ich weiß, dass deine letzte reise nicht in die bretagne ging...
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